Entschleunigung oder Sehnsucht nach mehr Zeit 

Wie jedes Jahr naht die „stade Zeit“. Und ehe man es sich versieht, ist sie auch schon wieder vorbei. Viel zu schnell vergangen im Trubel der Feiertage. Sie war so schnell da, weil es davor so viel zu tun gab. Danach, „zwischen den Jahren“ will sich die Ruhe ebenfalls nicht einstellen – und plötzlich ist das alte Jahr vorbei. Genau wie der Urlaub, die Ferien. Den Satz „wie schnell doch die Zeit vergeht“ hört man dann besonders häufig. Er bringt die Schwermut darüber zum Ausdruck, das Zeit etwas zu sein scheint, von dem man nie genug hat und das zwischen den Fingern verrinnt. 

Wir alle würden in einer schnelllebigen Zeit leben, hört man die Leute sagen. Als wäre das die Erklärung dafür, dass so viel Geplantes nicht verwirklicht, so viele Momente nicht angemessen Gewürdigt wurden und so viele Gelegenheiten ungenutzt verstrichen sind. 

Was ist nötig, um die Zeit nicht als etwas zu empfinden, dass gegen uns arbeitet? Wie ist es zu schaffen, mehr Stunden bewusst zu verbringen, anstatt sie mit Aktionen zu füllen, die sie dann „wie im Fluge“ vergehen lassen? 

Ist „Langeweile“ tatsächlich die schmutzige Schwester der „Kurzweil“? Es muss doch nichts Schlechtes daran sein, eine lange Weile in etwas zu verharren. Im Gegenteil ist dann endlich Gelegenheit, zu ruhen. Körper und Geist zu entschleunigen. 

Tipps und Tricks dazu gibt es zuhauf. Ein ganzer Markt widmet sich diesem Thema und fährt gut dabei. Ratgeber dazu gibt es jede Menge. Dabei scheint es wiedersinnig, ein Buch darüber zu lesen, wie es gelingen kann, Entschleunigung und Ruhe zu finden. Per se ist es doch schon ein großer Dienst, den man sich selbst erweist, wenn man Zeit und Muße findet ein (gutes) Buch zu lesen. Die Krux dabei: Je besser der Inhalt, je spannender (!) er ist, umso schneller werden die Stunden dahinfliegen. Man blickt von der Lektüre auf, schaut auf die Uhr… 

Die wohlige Befriedigung, die sich einstellt, nachdem ein schwerer Korb mit Brennholz herangeschafft, die Scheite richtig gelegt und daraus ein wärmendes Feuer entfacht wurde, kann kein Buch vermitteln. Wenn Schatten nicht mehr statisch wie Silhouetten an den Wänden kleben, sondern im Schein der Flammen zu tanzen beginnen. Wenn die Strahlungswärme und das diffuse Licht Körper und Geist gleichermaßen zu wärmen vermögen. Wenn das einzige Geräusch, dass die Stille durchbricht, das Knacken und Flüstern des Feuers ist. Dann mag man den Blick nicht mehr abwenden. Dann gelingt es, in Absichtslosigkeit zu verfallen und erst wieder aufzuwachen, wenn die nächsten Stücke Holz zu Nahrung für die Seele werden. Dann, liebe Freunde, hat jede Zelle Eurer Körper eine gute Zeit.